Charlie Mariano
Januar 25, 2022
Jazz, die Musik diesen Jahrhunderts, hat sich zu einer weltumspannenden künstlerischen und kreativen Kraft entwickelt. Trugen meist amerikanische Musiker in vergangenen Jahrzehnten ihre Botschaft rund um die Erde, haben inzwischen Musiker aller Länder ihre eigene kulturelle Identität in den Jazz hineingebracht und zu einer neuen Musik verbunden, die nach wie vor alle Elemente des Jazz und damit zurecht seinen Namen trägt.
Einer der wichtigsten Exponenten dieser Entwicklung, der bis heute einer der besonderen Botschafter des Jazz ist und auf einfühlsame Weise seine Musik vielen, vor allem jungen Musikern in der Welt vermittelt hat, ist der Alt – und Sopransaxofonist Charlie Mariano.
1923 als Sohn italienischer Einwanderer aus den Abruzzen in Boston/USA geboren, wuchs er in einer Umgebung auf, in der die europäische Kultur mit der der neuen Welt aufeinandertraf. d mie Musik der alten Welt, vor allem die italienischen Opern liebt er noch heute.
Unter dem Einfluß von Johnny Hodges und Charlie Parker lernte er bei Joe Viola am Schillinger House in Boston, aus dem später die Berklee College of Music hervorging.
1950 nahm er mit Jaki Byard und Herb Pomeroy seine ersten Schallplatten auf, 1953 übernahm er den Platz von Lee Konitz im Orchester von Stan Kenton, wo er bis Ende 1955 blieb. Bis 1958 spielte er an der Westküste vor allem mit Frank Rosalino und Shelly Manne, um dann nach der Heirat mit der japanischen Pianistin Toshiko Akiyoshi ein eigenes Quartett zu gründen. 1962 spielte er mit Charlie Mingus und war an den Aufnahmen von »The Black Saint and The Sinner Lady« und »Mingus, Mingus, Mingus« beteiligt. Bis 1965 lebte er in Japan, um dann nach Boston ans Berklee College of Music als Lehrer zurückzukehren.
Viele Reisen brachten ihn in dieser Zeit um die Welt, so drei Tourneen mit Astrud Gilberto nach Japan, im Auftrag der amerikanischen Regierung nach Malaysia und im Jahre 1973 nach Südindien, wo er sich mit der traditionellen indischen Musik auseinandersetzte und die Nasdawaram, ein indisches, oboeähnliches, schwer zu spielendes Instrument lernte.
Seit den siebziger Jahren lebte er überwiegend in den Niederlanden und die letzten 10 Jahre in Köln, das er wegen seines offenen, kulturellen und urbanen Klimas besonders schätzt.
Nachdem er zunächst auch intensiv in Kontakt mit Gruppen aus der Rockszene wie Embryo kam, spielte er in den folgenden Jahren mit einer großen Zahl unterschiedlicher Musiker, so z. B. Jasper van’t Hof und Philip Catherine, Pork Pie, Toto Blanke’s Electric Circle, Eberhard Weber’s »Colours«, Wolfgang Dauner und Dino Saluzzi sowie von 1977 bis 1993 das »United Jaz z & Rock Ensemble«.
Immer wieder trifft er mit Musikern aus anderen Kulturkreisen zusammen, mit denen ganz besondere Werke entstehen, vor allem mit dem südindischen Karnataka College of Percussion oder dem libanesischen Oud-Spieler Rabih Abou-Khalil.
Auch erfolgreiche Tourneen mit Konstantin Wecker und Aufnahmen mit Herbert Grönemeyer schließt seine musikalische Konzeption ein.
Eine grosse Zahl von bedeutenden Schallplatten und CDs (besonders sei erwähnt die von Dieter Ilg produzierte CD »Savannah Samurai« des Charlie Mariano Quartets )und seit 1997 auch ein in mehreren Fernsehstationen gesendeter Film, »Charlie Mariano’s Jazz World«, dokumentieren seinen Weg, sein Spiel auf dem Saxophon, seit mehr als fünfzig Jahren unverkennbar in seiner Virtuosität, seiner Poesie und Lebensfreude. Er ist Freund, Lehrer und Förderer unzähliger Musiker auf der Welt.